
Was ich in meiner letzten Story vielleicht etwas zu negativ und sogar falsch dargestellt habe, war, dass wir ganze vier Tage an dem Ort wo wir waren nicht viel gemacht haben, was natürlich nicht stimmt. Wir befanden uns auf der Insel Krk und kannten uns bestens aus. Wir besuchten verschiedene, altbekannte Restaurants und Strände, wir bummelten in Krk und machten ganz viele, tolle Bilder. Wir fuhren von einem Ende zum anderen Ende der Insel. Und immer wenn ich die Bilder vom letzten Jahr anschaue, steigt in mir ein warmes Gefühl hoch, so dass man daraus schließen kann, dass es zum Schluss doch noch ein guter Urlaub war, wenn auch alles Andere als perfekt.
Wenn auch alles Andere als perfekt ging es danach auch weiter.
Die nächsten beiden Tage verbrachten wir in Zadar. Dort mieteten wir uns ein wunderschönes Zimmer, um unsere Wäsche zu waschen und mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen. Und ganz ehrlich: ich hätte nie im Leben gedacht wie sehr ich ein Bett vermissen konnte, bis zu dem Zeitpunkt, wo sich mein Körper auf die frischen Laken niederlegte und einfach nicht mehr aufstehen wollte, weil, obwohl ich nicht viel gelaufen bin, er sich angefühlt hat, als wäre ich einen langen Marathon gelaufen. Ab da fingen auch meine Ohren öfters an zu Rauschen, was natürlich nicht mit dem Bett zusammen hing. Trotzdem dankte mir mein Körper am nächsten Tag dafür. Innerhalb der sieben Stunden, die er nämlich im Bett verbrachte, hat er einfach so beschlossen aufs Bett nicht mehr verzichten zu wollen. Und wehe dem, der noch campen gehen wollte! Ja, meine Laune war… wie drücke ich es am Besten aus? Launisch. Ich war launisch. Beim nächsten Landepunkt in Split habe ich mich partout geweigert campen zu gehen. Alles in mir schmerzte, sobald ich auch nur an den harten Boden dachte. Meine Füße haben nie aufgehört zu streiken. Immer wieder schwollen sie an und wollten einfach nicht mehr weiter. Konnten einfach nicht mehr weiter. In Split nahm ich ungefähr soviel mit, wie wenn ich in einer fremden Stadt nur kurz zum Aldi gehen würde, nur um dann so schnell wie möglich wieder in einem Hotel die Füße hochzulegen, den Fernseher einzuschalten und mit Snacks den Tag passieren zu lassen. Genau das tat ich nämlich und das in einem der merkwürdigsten Hotels, die ich bis dahin gesehen habe. Denn das Hotel befand sich unter der Erde. Wir hatten nicht einmal einen Ausblick nach Draußen und es war mir vollkommen egal. Mein Liebster tat mir an dieser Stelle wirklich leid. Und egal wie aufopfernd ich sonst immer für ihn war, konnte ich nicht anders als den Egoisten raushängen zu lassen und mich nicht mehr wie nötig zu bewegen. Die ganze Zeit dachte ich, dass ich die Hitze nicht vertrage und einfach immer noch den Schlaf einholen musste den ich am Anfang verpasst habe, damit es mir endlich wieder besser geht. Einen Tag im Bett und das im Keller, war für mich mein rettender Anker, der alles gut werden lassen sollte. Der restliche Urlaub flog und zog sich gleichzeitig im Nebel dahin. Ich erinnere mich noch an steile Küsten, Regenbögen unter Wasser, Hitze und mehr oder weniger gutes Essen. Verschwommen und doch sind einige Bilder so klar: wie ich es einfach eines Tages wusste. Es war eine tiefe Gewissheit, wie es wohl nur Frauen spüren können. Unerklärlich wie ein Wunder und doch logisch und klar: ich war schwanger. Und als ich es wusste, kroch ich in das Zelt des Mannes, der mir seinen Samen eingepflanzt hatte und sagte: „Schatz, ich glaube du wirst Papi“.
Wenn alles auf einmal sehr intensiv wird, wenn sich selbst Galaxien für einen kurzen Moment im Stillstand befinden und die Luft anhalten, dann ist es der wahrste Moment im Leben eines Menschen. Wenn das Leben einem alles abverlangt und dich oft genug herausfordert, dich zu Fall bringen will und dich gleichzeitig hoffen lassen will. Diese bittere Hoffnung, die süße Versuchung. Wenn genau diese Versuchung real wird. Wenn das neue Leben beginnt. Genau in diesem Moment fühlt man Vollkommenheit. Ich hab mein ganzes Leben auf diesen Moment gewartet. Ich habe auf dich gewartet mein Schatz.
Ende und Anfang, Anfang und Ende.
Eure Julia

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